Hannes Wanderer und Andreas Göx
Time out - Leere Läden in Berlin
Ausstellung vom 22. März bis zum 23. Mai 2005
Nicht McDonalds oder H+M, nicht EDEKA oder Vodafone, nicht Media Markt oder Deutsche Bank, die mit Abstand größte Ladenkette in Berlin heißt "Zu Vermieten" und ihr Slogan ist "Provisionsfrei". Die Läden sind winzig oder riesengroß, gepflegt oder verkommen, uralt oder hochmodern und alles dazwischen. Sie sind in den Geschäftszentren und in den Wohngebieten, in der Innenstadt und in den Randbezirken, sie sind überall und es werden mehr. Jeder kennt sie, kaum einer hat sie gesehen.
Die Fotografen Hannes Wanderer und Andreas Göx haben auf ihren stadtarchäologischen Exkursionen tausende von leeren Läden ausgegraben und zeigen in ihrer Ausstellung besondere Einzelstücke, Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten, Widersprüche und Kontraste sowie die Ambivalenz der Leerstandsästhetik - ganz Berlin in allen Faxetten zwischen Konformität und Chaos.
Die Ausstellung "Time out - leere Läden in Berlin" berichtet von den fundamentalen Veränderungsprozessen der Stadt und zeigt gleichzeitig das Neben-, Nach- und Durcheinander zeitgeschichtlicher Strömungen, gesellschaftlicher Rahmenbedingungen und privater Lebensentwürfe. Der Blick in die verlassenen Räume zeichnet ein irritierendes Portrait der Stadt und ihrer Bewohner.
Die Fotografen und ihr Projekt
"Leere Läden in Berlin" ist ihr erstes gemeinsames Projekt.
Die berstende inhaltliche, emotionale und visuelle Vielfalt hinter den stereotypen Außenansichten aus verstaubten Scheiben, abmontierten Firmenschildern und "Miet mich"-Hinweisen war Ausgangspunkt und Motor der Unternehmung.
Von April 2003 bis Juni 2004 haben Andreas Göx und Hannes Wanderer auf zahllosen Wanderungen durch alle Bezirke Berlins über 12.000 Fotos von mehr als 2.500 leeren Läden aufgenommen.
In den Räumen wurde nichts verändert oder für die Aufnahmen neu arrangiert. Der Verzicht auf Kunstlicht, die streng durchgehaltene Perspektive und der immer gleiche Blickwinkel öffnen den Blick für die Individualität der Läden und ihrer Geschichten.
Versuch und Irrtum, der Lebensentwurf, die Hoffnung, der gescheiterte Plan, handwerkliche Fehlleistungen, ästhetische Implosionen, von Menschen hinterlassene Spuren, das Erkennen typischer Gewohnheiten und Handlungen anhand der zurückgelassenen Objekte, der Kleiderständer, ein Stuhl, ein Brunnen, die Staubschatten der Vergangenheit, Laufwege auf Teppichen, dort stand ein Schrank und deshalb ist die Tapete hell .
Rekonstruktion und Interpretation im Freilichtmuseum Berlin - der ganze Wahnsinn einer großen Stadt.
